Geschichte der Kirchengemeinde - Unsere Kirche in Üfingen

Geschichte der Kirchengemeinde Üfingen im Abriss

Üfingen wird als „Winge erstmals in einer von Bischof Bernward erstellten Urkunde 1151 genannt . Northem / Nortenhof wird dagegen schon 1007 unter den Gütern des Klosters Steterburg erwähnt. Das Evangelium kam von Westen her, von Hildesheim. Der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme (814 -840) gründete dieses Bistum in  Ostfalen (Harzvorland zwischen Harzvorland und Celle, vom Deister bis zur Oker). Als die Sachsen durch Karl d. Gr. unterworfen wurden, führte das zur Neuordnung der Landstriche und zur Durchdringung des gesamten Lebens mit christlichen Lebensvorstellungen – nicht ohne Widerstände. 815 wurde das Bistum Hildesheim gegründet. Bischof Bernward  gründete 1022 das Micha­eliskloster in Hildesheim und schenkte ihm zu seiner Ausstattung unter anderem die Kirche in Sauin­gen mit dem dazugehörigen Patro­natsrecht über das Pfarramt. Die Besetzung mit Pfarrstellen war vor der Reformation größer als heute. Bleckenstedt, Ufingen und Norten­hof z. B. hatten eigene Pfarrstellen. Die Sitze der ersten  Pfarren waren alte Malstätten, Kultus-, Gerichts- und Markstätten. Diese waren in vorchristlicher Zeit Mittelpunkte der alten Götterdienste, deren Spuren sich im Volks(aber)glauben und im Brauchtum noch lange erhalten haben. In einem alten Taufbekenntnis aus dem 8/9 Jahrh. findet sich folgende Formulierung: Ich entsage dem Teufel und ich entsage  aller Teufelsgilde und ich entsage allen Teufelswerken und –worten, Donar und Woden und Saxnote und allen Unholden, die ihre Genossen sind. Nach dieser Absage an die Hauptgötter der Sachsen folgte dann das Bekenntnis zum dreieinigen Gott.

Üfingen gehörte zum „Banne“ Groß Stöckheim; darin lagen die Gemeinden Uvingen, Norten, Saulebingen, Beddingen, Bleckenstedte, Brotzen, Tide bis Halchter und Dorstadt. Die Verwaltung dieser Banne oblag dem Archidiacon (Erzpriester), der später von Hildesheim aus als Domherr seines Amtes waltete. Die Steterburger Chronik nennt zuerst  einen Pfarrer von Üfingen, 1260 und 1299, Hermannus, der als Zeuge bei einem Landverkauf zugegen war; 1400 ist die Rede von dem Pfarrer Heinrich Hesse. Allerdings wurde in der Verleihung mit Pfarrpfründen nicht immer korrekt verfahren, sondern mitunter ein regelrechter Schacher getrieben. Sogar Nichtgeistliche wurden damit betraut oder  Mietpfarrer (sog. Heuerpfaffen) gegen ein geringes Entgelt beschafft. Hier schaffte die Reformation doch einen Wandel, nachdem sie 1528 in der Stadt Braunschweig eingeführt wurde. Das Land allerdings stand noch bis zur Vertreibung des erzkatholischen Herzogs Heinrich des Jüngeren 1542 unter katholischem Einfluß. Der erste Visitationsbericht  erwähnt einen ersten evangelischen Pfarrer namens Georg Pithan, allerdings wenig rühmlich, wenn es dort heißt: … ist sein Abschied gegeben darumb, dass er ein Betrüger ist und die Leut merklich über ihn klagen! Dennoch scheint er sich auf dieser Pfarrstelle noch darüber hinaus gehalten zu haben. Als seine Nachfolger werden 1560 Zacharias  Biethan und 1568 Christoph Üsing erwähnt. Pfarrsitz war seit Reformationszeiten bis in die Gegenwart meistens Sauingen und sein Pfarrhaus (heute der 4. Nachfolgebau von 1816-18), nur in Ausnahmen auch Beddingen.

Lange Zeit besaß Üfingen als kleine Pfarre auch ein herzogliches Patronat, während die Pfarre von Northem (Nortenhof) bis zur Vereinigung mit Üfingen 1922 Patronat des Stiftes Steterburg war Kirche zu Üfingen. Im Hauptbuch der Kirche zu Üfingen (corpus bonorum, 1749) steht: 1729 ist das alte Kirchengebäude, weil es hat einfallen wollen, soweit  der Chor gegangen, abgebrochen, und von Holz wieder aufgebaut. Das übrige Gemäuer, weil es zu niedrig ist, um drei Fuß erhöhet, ein neuer Boden darauf gelegt und ein neues Dach und ein neuer Turm darauf gesetzt worden. Bei Reparaturen und Bauten hat die Gemeinde Hand- und Spanndienste zu leisten, die Kirche Trank und Tagelohn.

Ansonsten gibt es über die Baugeschichte der Üfinger Kirche kaum verlässliche Angeben, was diese Frühzeit vor 1729 betrifft.

  • 1783 wurde unter Pfarrer Abel eine erste Uhr angeschafft, die durch die jetzige 1892/3 von der Fa. Weule aus Bockenem ersetzt worden ist.
  • 1840 (etwa) scheint das „Glockenhaus“ aufgestzt worden zu sein und zeitgleich die zwei Glocken (Tonart: g und b) beschafft worden zu sein.
  • 1850 erhält die Kirche eine neue Orgel. Im Revisionsbericht heißt es 1852, „ die Kirche sei mit einem schönen und lieblichen neuen Orgelwerk versehen“
  • 1864 findet die letzte Beerdigung auf dem Kirchhof statt, der nun auf das jetzige Gelände des Dorfgemeinschaftshauses ( Schulgebäude) verlegt wird .
  • Bereits 1888 musste eine neue Orgel (Firma F. Furtwängler, Hannover) angeschafft werden. Die Zuckerfabrik bzw. ihre Aktionäre, schossen die erforderlichen 3665 Thaler vor. –sicherheitshalber zunächst einmal „für ein Jahr“. Die Nortenhofer Stiftskasse in Steterburg soll an den Kosten beteiligt werden.
  • 1949 ist das Gebäude nach baulicher und Orgel-Renovierung „die schönste Kirche der Probstei.“
  • Eine weitere große Renovierung der Üfinger Kirche begann 1971. Es zeigte sich, daß die Bausubstanz stark angegriffen war und es nötig wurde, Teile des Holzfachwerkes am hinteren Anbau der Kirche zu erneuern, Fachwerkfelder neu auszumauern und für eine umfassende Horizontalisierung der Kirche zu sorgen. Im Inneren war die Altarwand von  unten her gefault und nach damaligem Dafürhalten nicht mehr zu retten. Der Kirchenvorstand entschloß sich zu dieser Zeit schließlich zu einer modernen innenarchitektonischen Konzeption, die ein völlige „Entkernung“ der Innengestaltung zur Folge hatte! So wurde die gesamte Altarwand herausgenommen und die Bänke durch Stühle ersetzt. Bis  heute finden viele Gemeindeglieder diese Umgestaltung sehr bedauerlich!
  • Die Kirche hatte bei dieser Gelegenheit nicht nur einen neuen Innen- und Außenputz, sondern auch neue, helle Fenster und Bleiverglasung in Antikglas erhalten. Eine nicht sichtbare Stahlkonstruktion unter der Empore machte die früher vorhandenen Emporenständer überflüssig und gab so dem Kirchenraum ein großzügigeres Gepräge. Im Sommer  1975 wurde das neue bunte Fenster im Chor fertig, das Herr Wallner aus Hamburg entworfen hat und das die Taufe Jesu am Jordan darstellt.
  • Anfang 1980 erhielt die Kirche eine neue Orgel.

Das Defizit eines Gemeinderaums wurde dann bald immer häufiger zum Thema gemacht und in den 80er Jahren lag eine Konzeption für einen Anbau vor, der allerdings nicht akzeptiert wurde. Lange ruhte das Projekt, bis es 1996 wieder Aufnahme fand und nach einem Vorschlag des seinerzeitigen Propstes Schlimme in einen Gemeinderaumeinbau umgewandelt wurde. Dieser Gedanke wurde weiterverfolgt und zusammen mit Renovierungsnotwendigkeiten zum großen Umbau 1998/99! Ein eingebauter Gemeinderaum mit verdeckter Küchenzeile und einem WC im kleinen Vorraum wurde realisiert, die Kirche insgesamt in einen schmucken Zustand versetzt. Eine neue Gasheizung, die gut dosiert arbeitet und eine Doppelverglasung der unteren Fenster rundeten die Maßnahme ab! So ist unsere Kirche sicherlich ein Modell für viele Gemeinden ohne Gemeinderaum oder bei Wegfall eines externen Gemeinderaums/ alten Pfarrhauses und wird häufig visitiert!

Allein dieser Kurzabriss einiger markanter Zeitpunkte in und an der Üfinger Kirche zeugt von einer alten und ehrwürdigen Geschichte dieser „Heimstätte“ des christlichen Glaubens und seiner Anhänger im Verlauf vieler Jahrhunderte. So ist die Kirche „mitten im Dorf“ Zeugin der Zeit- und Kirchengeschichte zugleich, ihrer Wechselfälle, aber auch ihrer Konstanz. Wer immer dieses Gotteshaus betritt, kann sich daran erinnern lassen, wie viele unserer Vorfahren hier die Kultur des arbeitsfreien Sonntags lebten oder sich durch das Leben hindurch von der Taufe über Konfirmation und Trauung bis zur Trauerfeier Trost und Kraft, Zuspruch und Anspruch Gottes zusagen ließen. Mit ihnen sind wir bis heute im Geist verbunden. Himmel und Erde, Geschichte und Gegenwart konzentrieren sich in diesem Ort und Gebäude und sammeln hoffentlich auch bis in unabsehbare Zukunft hinein, Menschen, die sich vom Glauben her ihr Leben deuten lassen und sich auf ein Leben ausrichten, in dem Gottes- und Nächstenliebe als die wesentlichsten Elemente unseres Lebens gelten.

Pf. Dirk Westphal

   

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

  Offenbarung 21,6