Christuskirche Salzgitter Bleckenstedt

Der Name Bleckenstedt entstammt einer alten Adelsfamilie der Herren von Bleckenstede. In früheren Zeiten hatte die Gemeinde eine eigene Pfarre, Pfarrwitwenhaus und auch Schule. Im Jahre 1302 wird erstmals von einem Pfarrer Hoyer berichtet. Das Erbauungsjahr der Kirche konnte allerdings bis heute nicht erforscht werden. An der Altarwand erkennt man die Jahreszahl Anno 1748. Aus diesem Anlass feierte die Gemeinde 2008 die 260. Wiederkehr der Erbauung dieser Altarwand. Aus diesem Jahr stammt auch der Altar. Man kann davon ausgehen, dass die Kirche einige Jahre zuvor entstanden ist.

Nachlesen kann man, dass die Kirche dem Ort Beddingen angeschlossen wurde. Jahre später verselbständigten sich beide Kirchen. Heute gehören die Kirchengemeinden wieder zusammen, und zwar zum Ortsverband Üfingen, Sauingen, Bleckenstedt und Beddingen. Geschichtlich bekannt wurde Bleckenstedt 1493 durch die Schlacht in der Nähe dieses Ortes (vermutlich auf dem heutigen Sportplatzgelände). Die Hildesheimer zogen mit Kriegsmaterial gen Baunschweig. In Bleckenstedt versperrte der Braunschweiger Herzog den Weg. Es kam zum Streit und letztlich auch zum Gefecht, welches der Herzog verlor.

Heinrich Dettmer

 

Die Schlachten bei Bleckenstedt 1493 und 1553

Wer meint, Bleckenstedt war und ist schon immer ein völlig unbekannter und unwichtiger Ort gewesen, der muss umdenken. Der Ort Bleckenstedt ist aus einer „Wüstenei“ entstanden und im Laufe der vielen hunderte Jahre besiedelt. Jedoch hat er auch geschichtsträchtige Ereignisse von sich zu berichten.

In welchen Schulen der Umgebung und selbst in der Stadt Salzgitter wurde schon über „die Schlachten bei Bleckenstedt“ gelehrt? und selbst heute gibt es keine lehrreichen Informationen in den Gymnasien der Stadt über diese Ereignisse. Oder doch? Wenn man sich die Schlachten von Bleckenstedt vorstellen möchte, so kann man die Landkarten des 19. Jahrhunderts und von heute getrost bei Seite legen, denn selbst aufgrund landschaftlicher und landwirtschaftlicher Veränderungen muss eine Wege- und Straßenkarte aus der Zeit um 1500 ihnen zur Verfügung stehen. Auch die „Separation“ um 1850 hat dazu beigetragen, dass ein völlig anderes Landkartenbild geprägt wurde. Nehmen sie eine große geographische Karte aus diesem Gebiet, so wird ihnen sofort die „Lichtenberger Straße“ auffallen. Sie kommt von Frankfurt und führt über Seesen nach Lebenstedt und Hallendorf weiter nach Bleckenstedt. Hier muss die Straße den großen Auebruch, wo heute der Salzgitter-Stichkanal liegt, überqueren. Sie führte dann nach Beddingen, Stiddien und Broizem bis zum Hohentore nach Braunschweig. Das „Hohe Tor“ war seinerzeit wohl das wichtigste „Einfallstor“der Stadt Braunschweig. Die Straße selbst war zur damaligen Zeit eine der wichtigsten durch das Braunschweiger Land führende Fernhandels- und Heerstraße und schlängelte sich nur wenige Kilometer durch das s.g. „Hochstift Hildesheim – Land“.

Die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel waren mit den „Hildesheimern“ oft verfeindet. Oft hatten die Handelsreisenden mit ihren Pferdegespannen einen Achsenbruch, was wohl auch das Übelste für einen Kaufmann sein konnte. Grund dieser vielen Unbilden für die Kaufmannschaften waren die von den Hildesheimern stark vernachlässigten Straßen. Also wurde sie möglichst gemieden.

Die wichtige „Lichtenberger Straße“ von Hildesheim nach Wolfenbüttel, die weiter über Schöningen nach Magdeburg führte, kreuzte über eine Brücke (später über einen künstlich angelegten Damm). Von dieser östlich von Bleckenstedt gelegenen Straße zweigte eine wichtige Straße über („Steterburg“) Thiede nach der alten Okerfurtbei Leiferde. Von diesem Kreuzungspunkt der drei wichtigsten Straßen des 15. und 16. Jahrhunderts und ihren Brückenquerungen über den Auebruch sind die weiteren Ausführungen zu betrachten.

Die Schlacht bei Bleckenstedt am 13. Februar 1493 in der „Großen Stadtfehde“ um die Selbständigkeit der Stadt Braunschweig.

 

Erich der „Ältere“ und Heinrich der „Ältere“ waren Söhne des Herzogs „Wilhelm der Jüngere“. Dieser dankte im Jahre 1491 zugunsten seiner Söhne ab. Erich stand in den Diensten des Kaisers und befand sich meist fern der Heimat. So lag die Politik im Herzogtum Braunschweig überwiegend in den Händen Heinrichs des Älteren.

Die Stadt Braunschweig erkannte den neuen Herren, der seinen Sitz in Wolfenbüttel hatte, nicht so sehr gerne an und wollte diesem erst dann huldigen, wenn er den Braunschweigern ihre alten Privilegien rückwirkend bestätigte. Die intensiven Verhandlungen fanden im „Holze“ vor Vechelde statt. Der Herzog ging aber auf die Verhandlungen nicht ein. Und so trennte man sich - wie üblich - feindlich. Ziel Heinrichs des „Älteren“ war es, die Städte Braunschweig und Lüneburg zum bedingungslosen Gehorsam zu ihrem Landesherren zu zwingen. Dies konnte nur mit seinem Vetter gleichen Namens von Lüneburg gelingen. Beide schmiedeten nun gemeinsam ein Bündnis. Die StadtBraunschweig war zur damaligen Zeit eine einflussreiche und mächtige Hansestadt mit einer ca. 20 000 Einwohner zählenden Einwohnerzahl. Die Stadt hatte das Münzrecht, konnte Zölle verlangen und hatte ferner die Gerichtsbarkeit. Die Herzöge hatten die Ämter Asseburg, Neubrück und Vechelde verpfändet. In diesen Ämtern befanden sich aber wichtige Burgen, die ebenfalls verpfändet waren, wurden aber zum Schutz und zur Sicherung der Handelswege benötigt. Der umtriebsame Heinrich befand nun, dass seine Vorfahren kein Recht hatten, die Güter und Rechte zu veräußern. Er forderte nun zumindest einen Teil davon zurück. Die Einwohner der Stadt Braunschweig hatten die Rechte unter großen Geldopfern von den Herzögen gekauft. Schlichtungs- und Vermittlungsvorschläge der kommunalen Ständeversammlungen nützten jedoch nichts. Die Stände, Gilden und Gemeinden der Stadt Braunschweig verbaten sich eine strikte Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Stadt und untermauerten dies durch einen strengen, unfreundlichen Brief an den Herzog. Dieser lehnte daraufhin eine Bestätigung der Privilegien Braunschweigs kategorisch ab. Er schrieb einen großen Fehdebrief an die Stadt Braunschweig ohne seine Verbündeten, die da waren der König von Dänemark, die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg und sein Vetter der Herzog von Lüneburg. Hinzu kamen noch der Erzbischof Ernst von Magdeburg, die Herzöge Magnus und Balthasar von Mecklenburg sowie der Landgraf Wilhelm von Hessen. Die Folge war ein erneuter Krieg gegen die immer stärker werdenden Städte. Die meisten sogenannten Bündnispartner nahmen selbst aktiv an diesem Krieg nicht teil. Nur die „Hildesheimer“ unterstützten sie.

Am 10. August 1492 zeigte sich Heinrich der Ältere mit seinen bewaffneten Kriegern erstmals der braunschweigischen städtischen Landwehr bei Broitzem. Viele Landgüter und Dörfer fielen in den folgenden Wochen in die Hände der Stadt Braunschweig. Der Schöppenstedter Turm und der heute noch bekannte Raffturm wurden von den Herzoglichen gestürmt und gingen im Flammenmeer unter. Gleich zu Beginn dieses Krieges wurde das Pfahldorf Rüningen von den Herzoglichen überrannt, geplündert und niedergebrannt. Damit sich die Feinde nicht in dem Rüninger Landwehrturm einnisten und verschanzen konnten, wurde er von den Städtern vorsorglich selbst abgebrannt. Kurz darauf, am 4.Januar 1493, erfolgte die Vernichtung vonBettmar, Wahle und Sierße. Auch die städtischen Burgen – Asseburg, Vechelde, Neubrück und Campen wurden Opfer der Herzöge. Da die Städter der Meinung waren, dass man die Asseburg aufgrund der großen Entfernung nicht hätte halten können, brannten sie diese gleichfalls am 19. August 1492 nieder. Die Land- u. Dorfbevölkerung hatte aufgrund der immer wieder aufkeimenden kriegerischen Streitigkeiten am stärksten zu leiden. Gliesmarode, Stöckheim, Halchter und Timmelah wurde ein Raub der Flammen. Lehndorf wurde von den Städtern gleich selbst niedergebrannt. Dies geschah aus kriegstaktischen Gründen. Am 5.Januar 1493 brannten die Städter die herzoglich gebliebenen Dörfer Broitzem, Stiddien und Lamme ab. Am 8., 9., 10 Januar wurdendie Dörfer Bortfeld, Völkenrode, Watenbüttel geplündert und ebenfalls niedergebrannt. Einen Monat später, am 9. Februar sollte dieses Los auch über Salzdahlem und Atzum einbrechen. Vallstedt wurde beim „Durchmarsch“ der Braunschweiger Krieger in Richtung Bleckenstedt zuerst ausgeplündert und ausgebrannt. Die übrigen Dörfer und Gemeinden, die den Braunschweigern auf dem „Rückzuge“ noch unversehrt schienen, wurden dann gleichfalls noch ein Raub der Flammen. Die Straßen und Wege wurden somit von den Herzoglichen ringsum beherrscht, so dass es für die Landbevölkerung und/oder Bauern nicht möglich war, Ihre Lebens- u. Nahrungsmittel in die belagerte Stadt anzupreisen. Die Herzoglichen drohten allen Frauen, diees doch wagten, Nahrungs- oder Lebensmittel in die Stadt zu bringen, mit dem Abschneiden von Ohren und Nase. Die Folge war, dass die Preise für Nahrungsmittel ins Unermessliche stiegen. Ein Großaufgebot von Hildesheimern und Braunschweigern versuchte aber dennoch Lebensmittel nach Braunschweig zu bringen. Dies konnte aber nur über Peine mit einem Geleit von Kriegern gelingen.

Bei den Braunschweigern gingen ca. 150 Frauen mit. Durch das Tragen von Korbrückengestellen nannte man sie fortan Kiepenfrauen. Als es jedoch mit kriegerischen Aktivitäten ernst wurde, knieten sie nieder und weinten. Von seinen Kundschaftern hatte jedoch der Herzog erfahren können, dass die Umgehung über die Straße von Vechelde möglich war, ließ er quer zur Straße Gräben oder Wälle errichten. Dadurch wurde natürlich auch diese Straße unbenutzbar. Dem Herzog schlug das ganze Getümmel offensichtlich auf den Magen. Deshalb brach er mit einem Heer auf, um die Braunschweiger und Hildesheimer anzugreifen. Dies wiederum sollte durch das Gericht Lichtenberg erreicht werden. Sie zogenauf einem „Damme“zwischen Vallstedt und Lengede in Richtung Bleckenstedt. Doch die „Herzoglichen“ versperrten ihnen den Weg. Dies war der Beginnder „geschichtsträchtigen“ Schlacht am 13.Februar 1493 bei Bleckenstedt. Die Städter errichteten aus Wagen und Ketten eine Wagenburg zu ihrem Schutz. Man sagt, dass sich dies Heer aus 3000 Braunschweiger und 1700 Hildesheimer Bürgern, 500 Reitern und 1800 Fußknechten rekrutierte. Der Herzog dagegen zog mit geschätzten 10 000 Bürgern, 1200 Fußknechten und 1400 Reitern ins Feld. Als die Bauern den Ernst der Lage begriffen, flohen sie in hellen Scharen in den nahen Steterburger Wald. Das Kriegsgetöse insbesondere den Kanonendonner soll man bis nach Rüningen gehört haben. Doch die Schlacht selbst dauerte nicht lange und war schon am Nachmittag zu Ende. Die entfachten Feuersbrünste der vereinzelten Dörfer ( Stiddien), die die Städter auf ihrem Weg angezündet hatten, waren an diesen Wintertagen sichtbar. Ein nicht geringer Teil des braunschweigischen Heeres zog wohl auf der alten Lichtenberger Straße über Stiddien und Broitzem nach Braunschweig, während ein geringerer Teil den Weg über Geitelde und Rüningen bevorzugte.

Ein Augenzeuge der damaligen Schlacht, der Bürgermeister Hennig Brandis aus Hildesheim berichtete wie folgt darüber:“Beim Dummenbruche (Eine Straße wurde in viel späteren Jahren in Üfingen danach benannt – Im Dummen Bruch) nahe dem Berge über Bleckenstedt kamen wir auf den Berg. Da ritten die Herzoglichen über die Brücke bei Bleckenstedt mit 200 Pferden. Ihr übriges Kriegsvolk hielt in starkem „Haufen“ auf der anderen Seite des Bruches mit wehenden fürstlichen Bannern. Von ihrem Fußvolk war schon viel verlaufen. Sie haben ihre vier bis fünf Feldschlangen (Kanonen) vor das Bruchfeld gestellt und den Berg hinauf gerichtet, wo unser Wegherabführte. Da ging die Schlacht los! Unsere Reiter rückten vor und hieben ein, gleich wandten sich die Feinde zur Flucht. Zuhand schossen die Feinde die Büchsen los unter unser Volk, so dass 26 oder 28 tot lagen. Nun liefen unsere Knechte und Bürger auch vorwärts, um aus dem Schussziel zu kommen. Davor erschraken die Feinde, liefen gleichfalls und ließen ihre Büchsen und was sie sonst noch hatten im Stich. So gewannen wir den ersten Sieg vor Bleckenstedt und nahmen all die Büchsen und über 20 Wagen mit fünf Tonnen Kraut (Pulver), Kost, Herrenkleidern, güldenen Spangen, Kleinoden, Spiegeln und allerlei Habe der vornehmen Leute. Sofort waren unsere Büchsenmeister fertig, schossen heftig dorthin, wo die Herzöge mit ihren Hauptbannern und Reitern hielten, und so wichen diese auch. Darauf bauten die Städter eine Wagenburg. Um die Vesperzeit griffen die Herzoglichen vom Berge her kampfartig gegen die Wagenburg an. Ihr Angriff war so stolz und schön, wie man nur immer sagen mag. Dann hielten sie aber eine ziemliche Weile ganz ärmlich und betrüblich stille. Da waren unsere Feldschlangen, Steinbüchsen alldergleich nicht geladen bis auf eine einzige Schlange, und diese traf gut. Die streitbaren Schützen (Reiter) der Feinde schossen ihre Pfeile im Bogen zur Wagenburgherein. Ihr Fußvolk, die Knechte und andere, kamen vom Dorfe her, kehrten aber gleich wieder um. Auch von unseren Knechten hielten viele sich ganz kläglich, ein Teil tat das Seine so hin und desgleichen die Bürger. Unsere Reiter standen an einem Ende und rührten sich nicht, als wären sie gemalt. Und derweil auf beiden Seiten ein gewaltiges Schreien, Trommeten (Trompeten), Trommeln und Pfeifen und Büchsenklingen. In diesem „Wunder“ riet ich zur rechten Zeit und rief nach den Blockbüchsen. Da sagte der Büchsenmeister: “Sie sind geladen!“ Darauf hin riefen viele: “Pferde her!“ Sie hatten sie zur Unzeit ganz jämmerlich verplacket.

Wähnte man die Feinde aus der Schussweite, kümmerte man sich um die Verwundeten. 200 Tote auf beiden Seiten sollten es gewesen sein. Am Nachmittag zogen die Städter nach Braunschweig ab. Da die Brücken durchweg unbrauchbar waren, wurden sie zunächst erst einmal wieder nutzbar/gangbar gemacht. Durch diesen Umstand hatten die „Städter“ viele Wagen und Pferde gewonnen. Doch die großen Kanonen blieben nutzlos liegen und wurdenvernagelt.(Es wurden Nägel in die Zündlöcher geschlagen). Brote, Rotwürste, Schuhe , Mäntel usw. wurden von den Städtern an sich genommen. Dies hatten die Feinde weggeworfen. Alle Dörfer des Weges brannten, so dass diese den Städtern den Weg zeigten. Abends gegen neun Uhr kamen die kampfesmüden Krieger in Braunschweig an. In anderen Geschichtsberichten heißt es aber auch, dass die Städter während der Schlacht sich ungezügelt auf die Lebensmittelbeutel der geflohenen Bauern stürzten und sogar die Leichen und Verwundeten ausraubten. Sie erbeuteten nebst drei Geschützen und den Hut des Herzogs, den er im Kampfesgetümmel verloren hatte, sowie einen prächtigen Braten, der für den Herzog bestimmt war.

In Braunschweig herrschte große Freude, als die Nachricht von dem Sieg bei Bleckenstedt bekannt wurde.

Für die vielen Kämpfe und Kriege ihrer Herzöge hatten die Bauernlangsam die Nase voll, denn es waren ja ihre Felder und Höfe, die dabei verbrannt und zerstört wurden. Die Dörfer waren für Freund und Feind schutzlos, während die Städter sich wenigstens hinter die schützenden Stadtmauern sicher fühlen konnten. So verwundert es auch nicht, dass viele der Krieger dem Herzog in der Schlacht bei Bleckenstedt davongelaufen waren; denn sie waren eher um ihre Felder, Höfe und Familien besorgt. Der Vollständigkeit halber muss aber auch gesagt werden, dass sich die übrigen Krieger nicht unbedingt zu dem Kampf drängten. In einem weiteren Bericht heißt es nämlich:“ Die Reiter kümmerten sich nicht, sie einfach stehen da, als wären sie gemalt- und weiter heißt es in einem Aufsatz: Ca. 50 Braunschweiger, die Fahnenflucht begangen hatten, kamen an ein Stadttor und baten um Einlass. Die fremden Söldner kämpften erst, wenn ihr Sold erhöht wurde.

Als einen Wendepunkt des Krieges war die Niederlage der Herzöge bei der Schlacht bei Bleckenstedt zu betrachten. Eine Zeitlang dauerten die Gefechte und Feindseligkeiten noch an. Man brandschatzte sich gegenseitig noch weiter. Aber der Streit war zumindest unentschieden. Man bot sich gegenseitig Verhandlungen über einen möglichen Frieden an. Dabei kam es endlich am 4. Juni 1494 zu einem Friedensschluss. Keiner der beiden Seiten, weder die Stadt Braunschweig noch der Herzog von Wolfenbüttel ging als der große Sieger hervor.

Die Stadt Braunschweig bestand vehement auf ihre Selbständigkeit. Allerdings verlangte der Herzog als Pfand die Orte Neubrück und Campen. Wollte sie die Burg Vechelde und das Dorf daselbst sowie den Gerichtsbezirk Asseburg zurückhaben, so musste sie dafür stolze 19 000 Gulden bezahlen. Ein Fazit des ganzen Gemetzels: Die Herzöge hatten wenig gewonnen, die Stadt wenig verloren. Aber sie hatte „verloren“. Das „Land Braunschweig“ zeigte sich seit dem sehr viel kleiner. Die Zeiten wurden ruhiger, sodass die Bauern wieder damit begannen, ihre Höfe und Häuser wie es nach fast jedem Kriege Usus ist, wieder aufzubauen. Allerdings das Tragische an all den kriegerischenAuseinandersetzungen war die Tatsache, dass sie noch öfter zerstört wurden. Der Grund dafür war meistens ein Zwist oder Nichtvertragen können der Herzöge und die Stadt. Die in Mitleidenschaft gezogenen Landwehren und deren Wehrtürme wurden um die Stadt Braunschweig wieder wehrtüchtig gemacht.

Eine weitere denkwürdige Rolle spielte Bleckenstedt am 9. Juli 1553. Bei der Schlacht bei Sievershausen, in der Nähe von Peine kam es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung gegen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach. Die katholischen und protestantischen Fürsten Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel, Friedrich von Lüneburg und der Kurfürst Moritz von Sachsen treffen bei Sievershausen auf den Söldnerführer seiner Zeit Albrecht von Brandenburg-Kulmbach. Albrecht von Brandenburg-Kulmbach war bekannt als unbarmherziger Bandenführer. Er führte schonungslos Krieg zur Rettung des Protestantismus. 40000 Mann sollen in den Heeren beteiligt gewesen sein. Davon mussten 4000 Krieger ihr Leben lassen. Unter den Opfern befanden sich auch der Kurfürst Moritz von Sachsen, sowie der junge Herzog Friedrich von Lüneburg und die beiden Söhne Heinrichs des Jüngeren: Philipp Magnus und Carl Victor. Der illegitime Sohn Heinrichs von seiner geliebten Eva von Trott, der Ritter Heinrich Theuerdank, wurde schwer verwundet. 6000 der Heere von Albrecht gerieten in Gefangenschaft. Der Sieg lag auf der Seite der herzoglichen Braunschweiger, der Sachsen und der Lüneburger. Der Markgraf Albrecht wurde sehr schwer am Arm verwundet und floh mit wenigen Getreuen nach Hannover. Trotz der Niederlage gelangten der Rest seiner Heerscharen in die verbündete Stadt Braunschweig.

Die Ruhe währte nicht lange. 1553 kehrte Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, gestärkt mit frischem Geld und neuen Kriegern zurück nach Niedersachsen. Er warb in der Stadt Braunschweig verstärkt nach Doppelsöldnern und Hakenschützen. Damit glaubte er und er war sich sehr sicher, den Haufen von Herzog Heinrich in wenigen Tagen geschlagen zu haben. Als Hauptquartier wählte er Riddagshausen. Am 6. September 1553 querte Albrecht bei Braunschweig die Neustädter Marsch (die Oker). Auf seinem Marsch als Ziel Burgdorf (im Kreis Peine) über Groß Lafferde wurde alles verwüstet. Er marschierte nicht geradewegs nach Burgdorf, sondern machte einen „östlichen Bogen“ in Richtung Bleckenstedt. Da Bleckenstedt ein wichtiger Brückenort an der Aueniederung war, und ein strategisch wichtiger Überwachungsort über die immer noch wichtige „Lichtenberger Straße“ von Frankfurt am Main und Seesen nach Braunschweig war und somit diese strategische Straße für ihn von großer Bedeutung schien. Hinzu kam die von Hildesheim nach Wolfenbüttel über Bleckenstedt führende Straße nach Leiferde. Hier gab es eine gute Okerquerung. Aus diesem Grund fühlte er sich offensichtlich ziemlich sicher. Sein weiteres Ziel war Riddagshausen, wo er ein Hauptquartier errichten wollte. Aber in der Zwischenzeit war der Herzog Heinrich der Jüngere nicht faul und sammelte fleißig Geld um neue Söldner finanzieren zu können. Inzwischenhatte er sich mit seinem langjährige Gegner Erich II. von Calenberg zusammengetan. Beiden gelang es dann das Heer von Albrecht aus Bleckenstedt zu vertreiben. Beide hatten erkannt, daß die Lage von Bleckenstedt strategisch hoch interessant war. Zwischen beiden Heeren kam es deshalb am 12. September 1553 zu einer verlustreichen, brutalen-heftigen Schlacht auf dem Gebiet nach Geitelde, gleich hinter Steterburg. Dieses Gebiet lag nur ca. 6 km von Bleckenstedt entfernt. Offensichtlich war es Albrechts Idee, die wichtigen Okerquerung bei Leiferde zu gewinnen. Der „Mühlenbach“ bildet hier eine sehr sumpfige Niederung mit Fisch- und Mühlenteichen für das Kloster. In Steterburg bildete der hier errichtete „Damm“, eine Absicherung für das Kloster als eine feste Sumpfburg. Diese Burg galt in der damaligen Zeit als uneinnehmbar. Eine Urkunde bezeugt dies um 1007 über eine Klostergründung. Albrecht war also gezwungen gen Norden über Geitelde auszuweichen. Es ist zu vermuten, dass die Schlacht „Unter dem Geitelschen Wege“, „Über dem Butterbusche“ und am „Schäferberg“ stattgefunden hat. Albrecht bezog hier eine Niederlage und flüchtete nach Braunschweig und wurde von den Herzoglichen bis in die Mauern der Stadt verfolgt. Fünf seiner sieben Fahnen gingen verloren. Beim Einreiten in die Stadt Braunschweig soll der Markgraf gerufen haben:“Ich habe hier abermals alle meine Rittmeister undmeinen besten Freund Claus Barner verloren.“ Albrecht gestand damit seine totale Niederlage ein. Dieser Claus Barner hatte schon in seiner Jugend geschworen, eine Feindschaft gegen den Herzog stets aufrecht zu erhalten. Der Grund war: Der Herzog hatte den Vater von Claus Barner auf Schloss Steinbrück bei Hoheneggelsen im erbitterten Kampfe erstochen. Doch er wurde im nahen Steterburg in Ehre bestattet. Der Sieger des Gemetzels hütete drei Tage das Schlachtfeld. Dies war seinerzeit so üblich. Um seine gefallenen Söhne zu rächen, beteiligte sich der Markgraf an einigen Kämpfen in Süddeutschland und verlor erneut. Albrecht erlitt schließlich die Reichsacht. Das Kriegsglück hatte ihn nun endgültig verlassen. So sind die Kämpfe bei Sievershausen, Bleckenstedt-Steterburg auch das Ende eines Teils der Reichsgeschichte geworden.

 

Heinrich Dettmer

Quelle:
Dr. Wilhelm Bornstedt, Braunschweig,
Die Schlachten bei Bleckenstedt am 13. Februar 1493
und am 12. September 1553

 

 

   

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

  Offenbarung 21,6