Trauung

Ich habe von einem Mann gehört, der sein Leben lang Junggeselle blieb, weil er auf der Suche nach der perfekten Frau war. Als er siebzig wurde, fragte ihn jemand: "Du bist überall herumgereist und überall hast du gesucht. Konntest du nirgends eine perfekte Frau finden? Nicht mal eine einzige? " Der alte Mann wurde sehr traurig. Er sagte: "Ja, ein einziges Mal bin ich einer begegnet. Aber was soll man machen? Sie war auf der Suche nach dem perfekten Mann.
 Vielleicht ist das die große Crux heute, dass die Ansprüche, die Menschen aneinander stellen fast ins „Unendliche“ gewachsen sind und darum oft enttäuscht werden. Ja diese Überforderung an Erwartungen ist geradezu ausgemacht worden als der häufigste Scheidungsgrund und es erweist sich die tiefer Wahrheit eines Satzes, den man nicht flapsig hören darf: man muss die Menschen lieben – sonst erträgt man sie nicht.

Dazu drei weitere Stimmen, die uns zur duldsam-gütigen Liebe (Vgl. 1. Kor. 13) „ernüchtern“ wollen:

  • Meine Eltern, die zusammen einen Laden geschmissen und drei Kinder großgezogen haben, hatten natürlich andere Prämissen für die Ehe als die meisten Menschen heute. Bei denen war die Ehe auch ein ökonomisches Projekt, heute heißt das Projekt: immerwährende gegenseitige Begeisterung.
     
  • Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise. Das ist unmöglich. Es wäre sogar eine Lüge, wollte man diesen Eindruck erwecken. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum1 im täglichen Auf und Ab - in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.
     
  • Dadurch haben sich die Menschen die Ehe zur Hölle gemacht, dass sie sie zu ihrem Himmel machen wollten. Hölderlin

Dagegen setzen wir in unserem kirchlichen Segenshandeln in den Feiern von Trauungen (wenn beide Partner einer Kirche angehören) und Gottesdiensten anlässlich der Eheschließung (wenn nur einer der Partner noch Mitglied der Kirche ist) ganz bewusst darauf, dass jeder Mensch ganz natürlich Mängel und Fehler hat und wir darum umso mehr der segnenden Begleitung Gottes für die anspruchsvollste Lebensform Ehe bedürfen.

Zwei Menschen sind immer auch zwei Extreme, sagte der Dichter Hebbel und Ehe leitet sich eben nicht von einer angeblich lateinischen Auflösung ab: errare humanum est (irren ist menschlich). Sondern die drei Buchstaben stehen für Einer und Eine, die „in ihrer Mitte“ vom Herrn zusammengehalten werden. Diesen Reim machen jedenfalls wir Christen auf das Zusammenleben von Mann und Frau. Wir freuen uns also als Gemeinden sehr über einen solchen Gottesdienst für sie und wollen ihnen helfen diesen Tag an dieser „Stelle“ liebevoll vorzubreiten und so gestalten, dass viel Persönliches einfließen kann. Leider ist in unseren Zeiten Ehe und Familie überhaupt fragwürdig geworden, weil so viele daran scheitern das zu leben, was sie sich vorgenommen haben. Gegen diese Entmutigungen unserer Zeit, die auch mit einem schwindenden Glauben an die Liebe einhergeht, bezeugen wir dennoch die Ehe als gute Gabe Gottes, wenn er selbst der Dritte im Bunde sein darf. Ehe war und bleibt also Liebe im Sinne des „Erfinders“. Gott selbst will unserer Liebe solch ein Haus im Segen schenken, in dem sich alle Liebe/n/den geschützt wissen soll/en und der Raum geschaffen  wird für viel neues Leben, denn über sich hinauszuwachsen ist das Wesen der Liebe. Jedenfalls das Wesen der Liebe Gottes, die „Ursache“ für jedes Leben, die allem, was da lebt an seinem Leben beteiligte und uns dafür gewinnen möchte, mit Gott selbst schöpferisch zu leben. Liebe ist also die höchste Lebenskraft und darum (hoffentlich) das, was uns am meisten bewegt. Du brauchst nur zu lieben, und alles ist Freude. Tolstoi 

Und so sehen wir Trauungen und Fürbittgottesdienste als herausragende Feiern der Liebe und des Lebens an und stellen uns mit unseren Möglichkeiten in diesen Hoch-zeiten an ihre Seite. Folgende Materialien können sie schon vorab ein wenig auf den Weg bringen, was dann natürlich ein ausführliches Traugespräch in aller Breite tun will. Lassen sich also ansprechen, inspirieren und ermutigen den Bund für´s Leben einzugehen, den wir dann auch ganz ausdrücklich Gott anbefehlen wollen. Möge es dann einmal so ähnlichen Worten führen, die ein reifer Winston Churchill über die Frau seines Lebens zu sagen wusste: „Meine größte Leistung war, daß ich meine Frau zu überreden wusste, mich zu heiraten. Es wäre für mich unmöglich gewesen, durch all das hindurchzukommen, was ich durchgemacht habe, ohne ihren Mut und ohne ihre Hilfe. Das an Freuden reichste Erlebnis meines Lebens war meine Ehe.“

 

 

   

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

  Offenbarung 21,6